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Telezentrische Objektive: Grundinformationen und Arbeitsprinzipien

In den letzten Jahren sind Anwendungen der Dimensionsmessung, die Technologien der industriellen Bildverarbeitung einsetzen, sehr beliebt geworden. Verbesserungen von Kameras, Software und Beleuchtungskomponenten machten es möglich, eine Genauigkeit zu erreichen, die manchmal sogar nicht einmal von kontakt- oder laserbasierenden Methoden übertroffen wird.

Erfolgreiche Integratoren der industriellen Bildverarbeitung sind sich zunehmend bewusst, dass Qualitätsoptik überlegene Systemleistungen produziert und dass telezentrische Objektive für jede Anwendung der Bildgebung der Dimensionsmessung notwendig sind.

Softwareentwickler, die auf die Präzisionsmessung mechanischer Teile angewiesen sind, benötigen kontrastreiche Bilder mit der geringstmöglichen geometrischen Verzeichnung. Perspektivische Effekte, die eine Veränderung der Vergrößerung bewirken, wenn das Objekt nicht präzis positioniert oder stark dreidimensional ist, sind ebenso zu minimalisieren oder zu beseitigen.

Außer den Problemen der Bildverarbeitung müssen Designer von Bildverarbeitungssystemen berücksichtigen, dass gewöhnliche, entozentrische Optiken verschieden Faktoren beinhalten, die die Genauigkeit und Wiederholbarkeit von Messanwendungen begrenzen:

  1. Veränderung der Vergrößerung, verursacht durch Objektverschiebung
  2. Bildverzeichnung
  3. Perspektivische Fehler
  4. Schlechte Bildauflösung
  5. Unsichere Lokalisierung der Ränder des Objektes, verursacht durch Lichtgeometrie
Telezentrische Objektive reduzieren oder annullieren sogar die meisten dieser Probleme und sind daher zum "must" für all diejenigen geworden, die Anwendungen höchster Präzision entwickeln.

Img 1: working principle of different types of lenses.
Bild 1: Arbeitsprinzip verschiedener Objektivtypen.

Jetzt werden wir versuchen zu erklären, wie telezentrische Objektive arbeiten und warum alle der oben erwähnten Effekte reduziert oder beseitigt werden.

A – Konstante Vergrößerung

Bei Messanwendungen wird häufig eine orthonormale Ansicht des Objektes (d.h. wo kein Bild der Seiten des Objektes vorhanden ist) benötigt, damit korrekte lineare Messungen durchgeführt werden können. Zudem können viele mechanischen Teile nicht präzise positioniert werden oder die Messung muss in verschiedenen Tiefen durchgeführt werden; nichtsdestoweniger benötigen Softwareentwickler eine perfekte Korrelation zwischen dargestellten und realen Dimensionen.

Img 2: on the left an image of an internal spline on a cylindrical object taken with a telecentric lens (top) and the same object viewed by an ordinary lens (bottom). On the right an image of two identical machine screws 100 mm apart, taken with a telecentric lens (top) and an ordinary lens (bottom).
Bild 2: Links die Abbildung eines internen Keils auf einem zylindrischen Objekt aufgenommen mit einem telezentrischen Objektiv (oben) und dasselbe Objekt durch ein normales Objektiv gesehen (unten). Rechts das Bild von zwei identischen Maschinenschrauben 100 mm getrennt, aufgenommen mit einem telezentrischen Objektiv (oben) und einem normalen Objektiv (unten).


Herkömmliche Objektive liefern verschiedene Vergrößerungen bei verschiedenen Konjuganten: als Konsequenz verändert sich die Größe der Abbildung desselben, an verschiedenen Stellen positionierten Objektes fast proportional mit dem Abstand des Objektes zum Objektiv, wie jeder leicht mit seinen eigenen Augen feststellen kann, wenn man Bilder mit einem Fotoapparat oder mit jedem beliebigen System der Bildverarbeitung, das ein entozentrisches Objektiv, besitzt aufnimmt.

Img 3: standard lenses generate images of different sizes when an object changes its distance from the lens (in the drawing 's', the first optical conjugate, by definition). On the other hand, objects of different sizes can be viewed as if they had the same dimensions, if they subtend the same viewing angle.
Bild 3: Standardobjektive generieren Abbildungen verschiedener Größe wenn ein Objekt seinen Abstand zum Objektiv ändert (auf der Zeichnung „s“, per Definition die erste optische Konjugante). Andererseits können Objekte verschiedener Größe als gleich groß erscheinen, wenn sie im gleichen Blickwinkel visualisiert werden.


Bei telezentrischen Objektiven bleibt bei Veränderung des Abstandes des Objektes die Bildgröße nahezu unverändert, vorausgesetzt das zu inspizierende Objekt befindet sich innerhalb der vorgegebenen Schärfentiefe/telezentrischen Bereichs. Dies ist auf den besonderen Strahlengang innerhalb des optischen Systems zurückzuführen: das Objektiv sammelt von dem abzubildenden Objekt nur Strahlenbündel, deren barizentrischer Strahl (oder Hauptstrahl) parallel zur opto-mechanischen Hauptachse verläuft (aus diesem Grund ist der Durchmesser der vorderen Linse wenigstens so groß wie die Diagonale des Objektfeldes). Dieses ist möglich, da die Blendenöffnung im Brennpunkt der Frontgruppe platziert ist: was bedingt, dass die Eintrittspupille von den in die Optik einfallenden Strahlen als ob im Unendlichen platziert wahrgenommen wird. Aus diesem Grund werden diese Linsen telezentrisch genannt, da das objektseitige perspektivische Zentrum virtuell im Unendlichen platziert ist (tele- aus dem Griechischen, bedeutet entfernt).

Img 4: in a telecentric system rays get into the optics only with an almost parallel-to-the-axis path.
Bild 4: Bei einem telezentrischen System treten Strahlen nur mit einem nahezu achsenparallelen Strahlengang in die Optik ein.


Um das Gefühl für den Unterschied zwischen den beiden Objektivarten zu bekommen lassen Sie uns z.B. ein gewöhnliches Objektiv mit einer Brennweite f = 12 mm annehmen, angeschlossen an einen 1/3“ Detektor, ausgerichtet auf ein Objekt von einer Höhe H = 20mm bei einer Entfernung s = 200 mm. Nehmen wir an, dass sich das Objekt von seiner Ausgangsposition um ds = 1 mm verschiebt, so scheint sich seine Größe wie folgt zu ändern:

DH = (ds/s)·H = (1/200)·20 mm = 0,1 mm

Bei einem telezentrischen Objektiv hängt die Veränderung der Vergrößerung von der telezentrischen Neigung ab: gute telezentrische Objektive weisen eine effektive telezentrische Neigung von ca. 0.1° (0,00117 rad) auf; das bedeutet, dass sich die Größe des Objektes um nur 0,0017 mm für jede Verschiebung ds von 1 mm ändert. Daher ist bei telezentrischen Objektiven der Vergrößerungsfehler 1/10 bis 1/100 im Vergleich mit gewöhnlichen Objektiven.

Img 5: the telecentric slope determines the magnification change.
Bild 5: die telezentrische Neigung bestimmt die Veränderung der Vergrößerung


Als eine Konsequenz des eintretenden Strahlengangs muss die Frontlinse eines telezentrischen Objektivs wenigstens so groß wie die größte Dimension des Objektes sein; aus diesem Grunde sind telezentrische Objektive größer, schwerer und teurer als herkömmliche Objektive.

Img 6: a very big lens suitable for a field of view of over 400 mm (diagonal).
Bild 6: ein sehr grosses Objektiv, passend für ein Blickfeld von über 400 mm Größe (Diagonale).


B – Geringe Verzeichnung

Verzeichnung ist eines der schwerwiegensten Probleme, die die Messpräzision begrenzen, da alle Objektive zumindest eine geringe Verzeichnung aufweisen, und oft ist sogar ein einziger Pixel Differenz zwischen dem realen Bild und dem erwarteten Bild kritisch. Für den lateralen Bildort (Bildhöhe) eines ausseraxialen Bildpunktes ist der Durchstoßpunkt des Büschelmittenstrahls (Hauptstrahls) in der Bildauffangebene verantwortlich. Dieser Hauptstrahl durchstößt bei vorhandener Verzeichnung die Bildebene an der falschen Stelle. Verzeichnung wird in Prozent angegeben. Hat die Ecke der Abbildung eines Quadrates einen Abstand zur Bildmitte von 198 Pixeln während der Abstand ohne Verzeichnung 200 Pixel betragen würde, so beträgt die Verzeichnung an diesem Punkt:

Dist = (198-200)/200 = -2/200 = 1%

Positive radiale Verzeichnung wird kissenförmige, negative radiale Verzeichnung tonnenförmige Verzeichnung genannt. Verzeichnung kann auch als eine geometrische Transformation des dreidimensionalen Raums der realen Welt in den virtuellen, vom Objektiv geschaffenen zweidimensionalen Raum des Abbildes angesehen werden: da diese Transformation nicht perfekt linear ist sondern sich Polynomialen zweiten oder dritten Grades annähert, wird das Bild leicht gestreckt oder deformiert.

Img 7: Pincushion and barrel distortion. On the right the graph of the distortion correction of a telecentric lens of Opto Engineering.
Bild 7: Kissenförmige und tonnenförmige Verzeichnung. Rechts die Grafik der Verzeichnungskorrektur eines telezentrischen Objektives von Opto Engineering.

Gewöhnliche Optiken weisen Verzeichnungswerte auf, die von wenigen Prozent bis zu einigen 10 Prozent reichen und somit präzise Messungen wirklich schwierig gestalten; die Korrektion der Verzeichnung wird durch das Nichtvorhandensein von Telezentrie noch komplizierter. Die Existenz der Verzeichnung beruht darauf, dass das menschliche Auge eine Verzeichnung von 1, 2% leicht kompensiert, und da die meisten in der industriellen Bildverarbeitung verwendeten Optiken für Videoüberwachung oder Fotografie entwickelt wurden spricht das für sich. In einigen Fällen, wie bei Fish-Eye Objektiven oder Objektiven für Webcam wird die Verzeichnung eigens herbeigeführt, damit das Objektiv mit weitem Winkel arbeiten kann und um eine gleichmäßige Beleuchtung des Detektors zu garantieren. Telezentrische Objektive weisen normalerweise einen sehr geringen Grad der Verzeichnung auf, ca. 0,1%: das bedeutet, das der größtmögliche Fehler durch Verzeichnung geringer als 1 Pixel einer hochauflösenden Kamera sein sollte (0,6 Pixel auf der halbdiagonalen eines VGA).

Nur wenige wissen, dass die Verzeichnung vom Abstand des Objektes abhängt und nicht nur von der Optik selbst. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass der nominale Arbeitsabstand beibehalten wird und keine fokussierenden optischen Gruppen im Objektiv vorhanden sind. Auf jeden Fall muss bei den meisten Anwendungen die Verzeichnung durch die Software ausgeglichen werden: ein präzises Modell (dessen geometrische Ungenauigkeit weniger als 10% der benötigten Messgenauigkeit sein sollte) muss in der Mitte der Schärfentiefe positioniert werden; dann ist die Verzeichnung in verschiedenen Bildpunkten zu errechnen und der Algorithmus der Software muss das Ursprungsbild interpretieren und in ein verzeichnungsfreies Bild umwandeln. Um nicht-achsialsymmetrische Verzeichnung zu vermeiden muss sehr sorgfältig darauf geachtet werden, dass Objektiv und zu inspizierendes Objekt genau rechtwinklig zueinander ausgerichtet sind.

Img 8: on the left an image of a distortion pattern taken with a telecentric lens, where no radial or trapezoidal distortion is present. In the middle the image of a lens showing strong radial distortion.  On the right an example of trapezoidal distortion.
Bild 8: links das Bild eines Verzeichnungsmusters, aufgenommen mit einem telezentrischen Objektiv, ohne radiale oder trapezoidale Verzeichnung. In der Mitte das Bild eines Objektivs mit starker radialer Verzeichnung. Rechts ein Beispiel für trapezoidale Verzeichnung.


Trapezoidale Verzeichnung (besser bekannt als „keystone“ oder „thin prism“ Effekt) ist ebenfalls ein wichtiger Parameter, welcher bei einem Objektiv zu minimieren ist, da er asymmetrisch ist und sehr schwierig durch Software ausgeglichen werden kann.

C – Begrenzung perspektivischer Fehler

Wie bereits ausgeführt bilden Optiken für gewöhnlich dreidimensionale Objekte (nicht vollständig flache Objekte) ab, daher sind die Bilder entfernter Objekte kleiner als diejenigen naher Objekte. Wird ein Objekt wie z.B. eine zylindrische Höhlung abgebildet, erscheinen folglich die kreisförmigen Ränder oben und unten konzentrisch, auch wenn die beiden Kreise perfekt identisch sind. Bei Verwendung eines telezentrischen Objektives hingegen verschwindet der untere Rand, da er vom oberen kreisförmigen Rand verdeckt wird.

Img 9: Perspective error due to common optics (left image) and perspective error absence (right image) with a telecentric lens.
Bild 9: Durch herkömmliche Optiken verursachter perspektivischer Fehler (linkes Bild) und rechts Bild mit telezentrischem Objektiv ohne perspektivischen Fehler.


Dieser Effekt wird durch den spezifischen Strahlengang hervorgerufen: im Falle herkömmlicher Optik zeigt die zur optischen Hauptachse parallele geometrische Information eine Komponente auf der Detektorebenenrichtung, während bei einem telezentrischen Objektiv diese rechtwinklige Komponente überhaupt nicht vorhanden ist. Es ist als ob herkömmliche Objektive eine Übereinstimmung zwischen der dreidimensionalen Objektwelt und des zweidimensionalen Detektor- (Bild-)raums schaffen würden: im Falle eines telezentrischen Objektivs wird die dritte Dimension im Objektraum nicht dargestellt.

Img 10: Common optics (left) project longitudinal geometrical information onto the detector, while telecentric lenses are not.
Bild 10: Herkömmliche Optiken (links) projizieren longitudinale geometrische Informationen auf den Detektor, während telezentrische Objektive dies nicht tun.


D - Gute Bildauflösung

Bildauflösung wird als CTF (contrast transfer function) erfasst, ein Parameter, der das Kontrastverhältnis bei einer vorgegebenen räumlichen Frequenz auf der Kameradetektorfläche beschreibt, ausgedrückt in lp/mm (Linienpaare pro Millimeter).

Img 11: good and bad contrast achieved with optics of varying CTF looking at a standard USAF test pattern.
Bild 11: Guter und schlechter Kontrast, erreicht durch Optiken mit variierendem CTF, ausgerichtet auf ein Standard-USAF Testmuster.


Unerfahrene Integratoren verwenden häufig Kameras mit einer großen Anzahl kleiner Pixel kombiniert mit billigen Objektiven mit geringer Auflösung, was zu einem unscharfen Bild führt. Die Auflösung telezentrischer Objektive ist sogar mit der kleinsten Pixelgröße kompatibel.


E Keine Unsicherheit bei der Lokalisierung der Ränder

Oft wird durch die Hintergrundbeleuchtung die genaue Lokalisierung der Objektränder erschwert. Das kann passieren, wenn das Signal der hellen Pixel des Hintergrundes von denen der dunklen Pixeln der Objektränder überlappt wird, aber wenn das Objekt stark dreidimensional ist, kann ein weiterer Effekt die Messgenauigkeit stark beeinträchtigen. Wie in Abbildung 12 gezeigt, können die von den Randzonen des Objektes nahe der Objektränder kommenden Strahlen vom Objekt selbst reflektiert werden (nahezu jedes Material gleicht einem Spiegel, wenn der Einfallswinkel groß ist) und können als direkt von der Rückseite des Objektes kommende Strahlen interpretiert werden. Das bedeutet, dass einige marginale Teile des Objektes verschwinden können und somit die Messung sehr unpräzise und instabil werden lassen.

Bild 12: Randeffekte bei einem herkömmlichen Bildobjektiv werden durch ein telezentrisches Objektiv stark reduziert.

Dieser Effekt kann wirkungsvoll durch die Verwendung eines telezentrischen Objektivs vermindert werden, da, wenn die F-Zahl nicht zu niedrig ist (die Öffnung zu „offen“), die einzigen Strahlen, die von der Objektoberfläche reflektiert werden können und in die Optik eindringen können diejenigen sind, die parallel oder beinahe parallel zur optischen Hauptachse verlaufen. Da diese Strahlen nur sehr geringen Abweichungen unterworfen sind, beeinflusst die Reflektion auf der Objektoberfläche nicht so sehr die Messgenauigkeit. Um dieses Problem vollständig zu vermeiden, können kollimierte (oft auch „telezentrisch“ genannte) Beleuchter an telezentrische Objektive angeschlossen werden, die zu Objektivöffnung und FOV passen müssen. Bei dieser Lösung wird das gesamte vom Beleuchter ausgehende Licht vom Objektiv gesammelt und an den Detektor übergeben und erlaubt somit unglaublich kurze Belichtungszeiten. Gleichzeitig treten nur die gewünschten Strahlen in das abbildende Objektiv ein und es gibt keine Probleme an den Rändern.

Img 13: Collimated or telecentric illumination projects into the imaging telecentric lens only the rays expected to.
Bild 13: Kollimierte oder telezentrische Beleuchtung projiziert in das abbildende telezentrische Objektiv nur die gewünschten Strahlen.



F - Vorteile bi-telezentrischer Objektive

1. Bessere Vergrößerungskonstanz
Herkömmliche Optiken und normale telezentrische Objektive neigen zu einem schlechten Verhalten, da die Strahlenbündel je nach Feldposition verschiedene Neigungen haben und das optische System ebenfalls nicht symmetrisch ist. Folglich hat der vom Interzeptor zwischen dem Strahlenbündel und der Detektorebene erzeugte Spot im Bildzentrum eine andere Form und Grösse als an den Bildrändern (die Punktstreuungsfunktion variiert und wird unsymmetrisch; der Spot wird breiter und ellyptisch). Zusätzlich bewegt sich der von Puntkstrahlen erzeugte Spot über die Bildebene vor und zurück wenn das Objekt in der Schärfentiefe verschoben wird, was eine kleine Änderung der Vergrößerung bewirkt, die für strenge Präzisionsmessungen nicht zulässig ist. Aus diesem Grund weisen nicht bi-telezentrische Objektive eine geringere Vergrößerungskonstanz auf, auch wenn ihre nur im Objektbereich gemessene Telezentrie sehr gut sein kann.

Bild 14: Bei einem bi-telezentrischen Objektiv (rechts) fängt das Strahlenbündel den Bildsensor unabhängig von der Feldposition ab; bei einem telezentrischen Objektiv ohne Bildraum (links) passiert das nicht.


2. Erhöhte Schärfentiefe
Schärfentiefe hängt im Wesentlichen von der F-Zahl der Optik ab: je größer die F-Nummer (d.h. je kleiner die Öffnung der Optik) desto größer die Schärfentiefe, mit einer fast linearen Abhängigkeit. Das geschieht, da die Schärfentiefe die maximal von der besten Brennpunktsituation akzeptierte Ausgangsposition des Objektes ist. Jenseits dieser Grenze wird die Bildauflösung nicht mehr akzeptiert, da die von einem Objektpunkt ausgehenden Strahlen nicht in einem ausreichend kleinen „Spot“ auf die Detektoroberfläche treffen, mehrere Pixel tragen Informationen von dem selben Objekt (Unschärfe) und die Fokussierung wird schlecht. Durch Schließung des Objektivdiaphragmas, was eine Erhöhung der F-Nummer bedeutet, wird die Divergenz des Strahlenbündels verringert; die Streuung der Strahlen wird konsequenter Weise geringer und ermöglicht somit eine geringere Größe des Spots auf dem Detektor. Jenseits einer bestimmten F-Nummer wird die Auflösung schlechter statt besser; Grund dafür sind Brechungseffekte, die die minimale Blendenöffnungsgröße begrenzen, wenn ein kontrastreiches Bild benötigt wird. Bildseitige Telezentrie oder Bi-Telezentrie zeichnet sich durch die Beibehaltung eines sehr guten Bildkontrastes aus, sogar wenn sehr dicke Objekte betrachtet werden; Grund dafür ist die Symmetrie des optischen Systems, die die Beibehaltung der Symmetrie der Strahlenspots und als Konsequenz der Unschärfe vereinfacht. Das resultiert in einer Schärfentiefe, die als 20-30% größer als diejenige nicht bi-telezentrischer Optiken wahrgenommen wird.

Img 15: Image of a thick object viewed through its field depth.
Bild 15: Bild eines dicken Objektes gesehen durch seine Schärfentiefe.



3. Gleichmäßige Detektorbeleuchtung
Die mit Hilfe von Bi-Telezentrie erreichte gleichmäßige Beleuchtung des Detektors ist für verschiedene Anwendungen wie LCD, Textile und Druckqualitätskontrolle nützlich. Wenn dichroitische Filter für photometrische oder radiometrische Messungen in den Strahlengang integriert werden müssen, garantiert Bi-Telezentrie, dass die Achse des Strahlenfächers die Filternormale trifft und seine Oberfläche den optischen Bandpass über die gesamte Oberfläche des Kameradetektors beibehält.


Bild 16: Ein beidseitiges telezentrisches Objektiv ist an einen verstellbaren LCD Filter angeschloßen, um Farbmessungen in hoher Auflösung durchzuführen. Die bildseitige Telezentrie garantiert, dass der optische Bandpass gleichmäßig über der gesamten Filteroberfläche ist und eine gleichmäßige Beleuchtung des Detektors bewirkt, wenn das Objekt gleichmäßig beleuchtet wird.




G - Einige Anwendungen für telezentrische Objektive


Messung von Rohren und Spindeln sowie Ausmessung zylindrischer Teile

Dimensionsmessung von Maschinen und anderen mechanischen Präzisionsteilen

Ausmessung gelochter Metallplatten und Objekte

Kontrolle und Ausmessung von Schrauben, Bolzen und Objekten mit Gewinden

Dimensionsmessung und Kontrolle von Federn

Dimensionskontrolle von Dichtungen und Plastikteilen

Objekte aus Glas: Rohre, Fialen, Kapseln....

Allgemeine Anwendungen: auf industrieller Bildverarbeitung basierende Messgeräte


H - Zusammenfassung: Wann sind telezentrische Objektive zu verwenden

  • Wenn ein dickes Objekt (Dicke >1/10 FOV diagonal) ausgemessen werden muss
  • Wenn verschiedene Messungen auf verschiedenen Objektebenen durchzuführen sind
  • Wenn der Abstand vom Objekt zum Objektiv nicht genau bekannt ist oder wenn er nicht vorhersehbar ist
  • Wenn Löcher inspiziert oder ausgemessen werden müssen
  • Wenn das Profil eines Objektes erfasst werden muss
  • Wenn die Bildhelligkeit nahezu perfekt gleichmäßig sein muss
  • Wenn Defekte durch Verwendung einer gerichteten Beleuchtung und einen gerichteten Blickpunkt gefunden werden können



Wichtige Links zu telezentrischen Objektiven:
» Telezentrische Objektive für Matrix Detektoren bis zu 2/3"
» Telezentrische Objektive für Große Detektoren
» Telezentrische Objektive für Liniendetektoren
» Broschüre zu telezentrischen Objektiven (pdf)

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